Aussenrenovation eines Mehrfamilienhauses aus der Gründerzeit in Zürich-Wiedikon
Im Rahmen der Fassadenrenovation der 1898 erstellten Liegenschaft durften wir nach Abschluss der erforderlichen Spengler- und Schlosserarbeiten mit den umfassenden Malerarbeiten beginnen.
Bevor wir mit der Renovation starteten, klärten wir den baulichen Befund ab und überlegten uns die farbliche Gestaltung der Fassade, die sich in einer Strassenzeile einer historischen Blockrandbebauung in Zürich Wiedikon befindet.
Als Erstes wurde die gesamte Fassade mittels Hochdruckreinigung gründlich von Schmutz und Ablagerungen befreit, um einen tragfähigen Untergrund zu gewährleisten. Anschliessend wurden durch den Gipser hohle und schadhafte Putzstellen kontrolliert, örtlich entfernt und fachgerecht instand gestellt. Dazu wurde ein mineralischer Verputz mit der gleichen Körnung wie bei der originalen Fassade verwendet. Die Flickstellen wurden randbündig ergänzt und die Übergänge mit dem Schwamm angeglichen. Um die gleiche Oberflächenstruktur zu erhalten, wurden die rohen Flickstellen vorgrundiert und vorgestrichen. So konnte eine einheitliche Oberflächenstruktur hergestellt werden.
Nach ausreichender Trocknungszeit folgten die weiterführenden Vorarbeiten durch unser Malerteam. Zahn- und Profilleisten wurden angelaugt und sorgfältig geschliffen. Balkongeländer und -konstruktionen wurden ebenfalls angelaugt, geschliffen und gründlich entrostet. Die Fensterflächen auf der Aussenseite schliffen wir bis auf den tragfähigen Altanstrich zurück, um optimale Haftbedingungen für den Neuaufbau zu schaffen.
Replika der Decke der Hofdurchfahrt
Um den Komfort der Wohnung oberhalb der Hofdurchfahrt zu verbessern, wurde diese Decke neu isoliert. Als erstes nahmen unsere Gipser die Profile und die Geometrie der Stuckstäbe auf der Deckenuntersicht ab. Danach wurde die Decke für die Aufnahme einer neuen, mineralischen Wärmedämmung vorbereitet. Diese wurde nach erfolgter Applikation strukturgleich abgerieben, ehe die Profilstäbe wieder gemäss dem historischen Vorbild aufgebracht wurden. Die Decke wurde, wie vor mehr als 125 Jahren ursprünglich ausgeführt, zweifarbig gefasst.
Beschichtungsaufbau Fassade
Die mit einem alten, nur beschränkt mineralischen Anstrich versehenen Fassadenflächen erhielten eine Mineralfarbgrundierung mit Quarzsandzusatz als Haftbrücke. Der Deckanstrich erfolgte mit der hochwertigen Mineralfarbe Keim Soldalit im Farbton Keim 9108. Auch die Balkonuntersichten wurden mit Keim Soldalit ausgeführt, was eine diffusionsoffene und langlebige Beschichtung sicherstellt.
Gurte und Steineinfassungen wurden im Farbton Keim 50007 nachgefasst und dadurch akzentuiert.
Aussenansicht hofseitig nach der Renovation
Die hofseitige Fassade vor den Renovationsarbeiten
Fassade strassenseitig nach der Renovation
Fassade strassenseitig vor den Renovationsarbeiten
Balkon- und Metallbauteile
Die Balkonböden versahen wir mit einem zweifachen Zweikomponentenanstrich unter Zusatz von Quarzsand zur Verbesserung der Rutschhemmung.
Balkongeländer und -konstruktionen wurden, wo erforderlich, vorgrundiert, vorgestrichen und anschliessend in einem dunklen Eisenglimmerton beschichtet. Diese Ausführung gewährleistet einen dauerhaften Korrosionsschutz sowie eine hochwertige Optik.
Balkongeländer vor der Renovation
Frisch renoviertes Balkongeländer
Fenster und Holzbauteile
Die sich noch in einem guten Zustand befindenden IV – Fenster wurden mit einer ölhaltigen Kunstharzgrundierung grundiert und danach zweimal mit Kunstharzlack fertig gestrichen. Im Dachgeschoss wählten wir den Farbton NCS S 5040-Y80R. Dieser Rotton – ähnlich dem bekannten Oxidrot – entspricht der Farbgebung aus der Erstellungszeit. Die Fenster in den unteren Geschossen wurden im bestehenden, dunklen Grünton NCS S 8010-B50G ausgeführt.
Ein besonderer gestalterischer Akzent wurde bei der Dachuntersicht gesetzt: Die Untersicht selbst wurde im selben roten Farbton NCS S 5040-Y80R der Fenster gestrichen, während die Kanneluren in RAL 1002 (Ocker) separat ausgefasst wurden. Diese differenzierte Farbgebung betont die Dachuntersicht und hebt die architektonischen Details gezielt hervor.
Auch die Hauseingangstüre wurde im Zuge der Arbeiten sorgfältig renoviert und mit einem langöligen Kunstharzlack neu gestrichen.
Dachuntersicht vor der Renovation
Die frisch renovierte Dachuntersicht
Zweifarbig gefasste Kanneluren
Dekorative Malerei
Beim Durchgang zum Innenhof konnten wir unser Können im Bereich dekorativer Techniken zum Einsatz bringen. In eine Türeinfassung aus Granit malten wir neu eine Türe illusionistisch auf. Etwas aus der Distanz betrachtet sieht sie aus wie eine echte Holztüre. Ergänzend wurden in den im Verputz ausgebildeten Nischen historische Ansichten der Schmiede Wiedikon um ca. 1910 dargestellt. Als Vorlage diente eine historische Fotografie. Das Wandbild verbindet handwerkliche Präzision mit lokalem Bezug und verleiht dem Durchgang eine besondere Atmosphäre. So wurde diese Hofdurchfahrt von den Schulen in Wiedikon entdeckt und dient als Anschauungsunterricht im Fach Heimatkunde. Schön, dass wir zur Lokalgeschichte einen Beitrag leisten durften.
Die bis auf die Dekorelemente fertiggestellte Hofdurchfahrt
Wie Fenster ausgebildete Nischen der Hofdurchfahrt
Der Künstler am Werk
Ansicht der Schmiede Wiedikon um ca. 1910
Die illusionistisch aufgemalte Türe von nahe
Ansicht der Schmiede Wiedikon im "Fenster" und die beiden aufgemalten Türen